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Der Großmufti von Jerusalem
Wie der Antisemitismus in den Orient kam

Feature, B2 radioZeitreisen 2011 (Länge 24')

mit Rahel Comtesse, Reinhard Glemnitz, Andreas Neumann, Christian Baumann, Burchard Dabinnus
Redaktion und Regie: Ulrich Klenner

Eine schillernde Persönlichkeit war er, skrupellos und machtbewusst, arabischer Nationalist, fanatischer Antisemit und charismatischer Redner mit Potential zur Volksverhetzung. Amin al‑Husseini betrat nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die politische Bühne in Palästina. Das Osmanische Reich war zusammengebrochen, die Auseinandersetzung um eine politische Neuordnung im Nahen Osten tobte. Der Völkerbund übertrug Großbritannien im Jahr 1920 das Mandat über Palästina. Während die Zahl jüdischer Einwanderer stetig wuchs, forderten die Araber einen eigenen Staat.

1921 ernannten die Briten al-Husseini zum Großmufti von Jerusalem. Mit Mitte 20 war er damit religiöses Oberhaupt aller Muslime in Palästina und hatte eine gute Ausgangsposition, um seinen Einfluss in arabischen Organisationen auszubauen. Sein Ziel war ein palästinensischer Staat unter seiner Führung. Als Gegner sah er die Briten, die er für die jüdische Einwanderung in Palästina verantwortlich machte, und natürlich die Juden selbst. Bereits 1933 nahm er mit dem NS-Regime Kontakt auf und zeigte Sympathie für den Antisemitismus der Nazis. Während des Zweiten Weltkrieges verstärkte er seine pro-deutschen Umtriebe im Nahen Osten und versuchte den britischen Einfluss zurückzudrängen. Schließlich floh er über Mussolinis Rom nach Berlin, sorgte für die Aufstellung muslimischer SS-Divistionen und unterstützte die NS-Propaganda im arabischen Raum per Kurzwellensender: "Araber! Erhebt Euch wie ein Mann und kämpft für eure heiligen Rechte! Tötet die Juden, wo immer ihr sie findet ..."

Im Gegenzug erwartete er nach dem allfälligen Sieg Hitler-Deutschlands und seiner italienischen Verbündeten Unterstützung bei der Gründung eines arabischen Staates, der Palästina, Syrien und den Irak umfassen sollte - organisiert nach faschistischem Vorbild und ohne jüdische Einwohner. So weit kam es nicht. Aber die antisemitische Propaganda hatte ihren Weg in die arabischen Länder gefunden und dort Fuß gefasst.