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Der Eulenburg-Skandal
Das Ende einer wihelminischen Karriere

Feature, B2 Geschichte und Geschichten 2003 (Länge 29'30'')

mit Ilse Neubauer, Horst Sachtleben, Harry Täschner 
Regie: Ulrich Klenner, Redaktion: Ingrid Leitner

1908 wurde in Berlin gegen Fürst Philipp zu Eulenburg ein Prozeß wegen Meineids eröffnet. Die nationale und internationale Presse stürzte sich auf den Fall. Philipp zu Eulenburg war über 20 Jahre der Mann an der Seite des Kaisers. Als Diplomat, Salonkünstler - seine "Rosenlieder" waren berühmt - und begabter Entertainer avancierte er zum Freund und Berater Wilhelms II. Zeitgenossen berichten in ihren Memoiren über die seltsame Beziehung zwischen den beiden Männern. Von wilden Gelagen, spiritistischen Sitzungen und "schwärmerischer Freundschaft" ist die Rede. Der Einfluß Eulenburgs war umstritten. Vor allem seine gezielte Personalpolitik stieß auf Ablehnung. Er protegierte Freunde - so etwa Bernhard von Bülow, den er zu seinem Posten als Reichskanzler verhalf. 1906 veröffentlichte der Journalist Maximilian Harden Andeutungen über eine mögliche Homosexualität höchster Würdenträger des Deutschen Reiches. Betroffen waren die Armee, das Auswärtige Amt, der Reichskanzler, Philipp zu Eulenburg und dessen Freunde - letzten Endes der kaiserliche Hof. Eulenburg beeidigte öffentlich, niemals homosexuelle Handlungen begangen zu haben. Zwei Zeugen aus Bayern behaupteten das Gegenteil: 20 Jahre vorher hätten sie mit Eulenburg, damals preußischer Gesandter in München, homosexuelle Beziehungen gehabt. Der Skandal war perfekt. Die deutsche Öffentlichkeit reagierte mit Häme. Wilhelm II. ließ seinen Freund sofort fallen.