Die Dimensionen und die Erkenntnisse aus diesem Objekt bringen unseren
Zeitplan soweit durcheinander, dass wir die geplanten Recherchen in Werdau
verschieben und direkt weiter fahren an die Zschopau nach Frankenberg.
Unterwegs begehen wir einen klassischen Fehler: im leicht angehungerten
Zustand kaufen wir „eben mal“ Proviant ein und verfallen in einen sachten
Konsumrausch, der die Platzprobleme im Auto keineswegs verringert. In
Frankenberg liegt hart am Ufer die ehemalige Gerberei Picker, zu DDR-Zeiten
gehörend zum VEB Lefatex Freiberg. Die Flussnähe bekommen wir überzeugend zu
spüren. Zum Teil aufgerissenen, zum Teil noch nassen Schlamm im Erdgeschoss hat
das Hochwasser der letzten Woche hinterlassen. Die Lederfabrik erwischen wir im
kitschigen abendlichen Streiflicht; Halbfertigprodukte gammeln in Karren vor
sich hin; ein Pinup hängt neben einem Plakat über das Deutsche Hausschwein;
die Gerberbottiche sind noch erhalten.
Auch am heutigen Tag ist die Warteliste der noch auszufotografierenden
Objekte eher länger als kürzer geworden. Die Suche nach der früheren Brauerei
Gaisberg verschieben wir auf morgen. Erschöpft, aber glücklich fahren wir in
der Abenddämmerung zum nächsten Hotel, dem Brauhof nördlich von Flöha. Auch
hier Ruhe und gutes Preis- Leistungsverhältnis. Highlight natürlich der
flambierte 60- Volt - Kräuterschnaps Feuerhölle bzw. Grubenfeuer. Das
eigentlich erforderliche Aspirin wurde aber nicht mitserviert. Wegen der
vorgerückten Zeit und der in der Nacht bevorstehenden Zeitumstellung entfällt
die Downloadfete. Wir schlafen tief, aber traumfrei.