Zum Thema: [ Nach oben ] [ 11.5. ] [ 12.5. ] [ 13.5. ] [ 14.5. ] [ 15.5. ]
[ Karte
] [
Fotos ]
"Brigadebuch" (15.05.1999):
Besuch der Delegation derDeutschen Gesellschaft für
Industriekultur (DgfI) beim
Mitteldeutschen Umwelt- und Technikpark (MUT) Zeitz
15.05.1999
Wir sind in der Fachhochschule
Leuna-Merseburg verabredet. Dort sammelt der rührige
Prof. Hörig Sachzeugen der chemischen Industrie als Projekt zur Erhaltung
einer mitteldeutschen Industrialisierungsgeschichte. Die Betriebe Leuna
(gegründet 1917) und Buna (1036) waren die größten Chemiebetriebe
der DDR. Die ältesten Betriebe waren in Bitterfeld. In Merseburg soll
das Deutsche Chemiemuseum entstehen. Unser Gewährsmann Heilemann aus
Oldisleben ist mit dabei und verwirrt über das Verschwinden aller seiner
Lebensstationen wie Schule, alter Betrieb...
Pioniergeist und Improvisation sowie Nutzung der Fördertöpfe. Mit
leichter Verbitterung wird über die mittlerweile abgängigen Wessis
im Verein berichtet, die im wesentlichen Eigeninteressen verfolgt hätten.
Imerhin hat der Verein 1200 Exponate gerettet.
Ein knapp 2 ha großes Freigelände ist mit
Großexponaten bestückt, die z.T.auf Fundamten stehen oder einghaust
sind. Im geschlossenen Bereich Darstellung der mitteldeutschen Chemie mit
Leuna, Buna, Schkopau, Bitterfeld mit 1000en Produkten ("Apotheke der DDR").
In einem Science - Center mit einer Milionenspende von Dow Chemical sollen
vorzugsweise Jugendliche angesprochen werden. Der Verein hat etwa 400 Mitglieder
und gibt eine Schriftenreihe heraus, u.a. folgende Themen: Hüls - Buna,
Korruption in der Treuhand, Hochdrucktechnologie Leuna seit 1917, Haber -
bosch - Verfahren, Kautschuk aus buna und Schkopau, Chlorzelle Buna.
Auf dem Gelände u.a. ein 10 cm - Polymerisationskessel für PVC
und eine Kautschukbandanlage von etwa 1950, eine Ammoniak - Synthese - Kammer
nach dem 1913 in Oppau bei BASF erfundenen Haber - Bosch - Verfahren. Weiter
eine Dampf,maschine von MAN, ein stehender Kompressor für Drücke
über 200 atü von 1925 aus Esslingen. Als Fortschritt demgegenüber
wurde die Maulwurfpumpe von 1944 entwickelt. Groß- und Hydrierverdichter
sowie eine Pumpe für Öl - Kohle - Gemisch bei der Kohlehydrierung
kommen hinzu.
Die Fachhochschule mit Gebäuden aus der Epoche des frühen Asbest
macht einen gespenstischen Eindruck. Sie steht nach Wegfall des Hauptabnehmers
der Absolventen aus der Braunkohle und der Chemie zu 85% leer; allmählich
überwuchern die Wege und leerstehenden Gebäude.
Im Vollausbau bot die FH 2000 chemiebezogene Arbeitsplätze.
Fahrt nach Weißenfels. Wir passieren die millliardenschwere neue
Olefin - Anlage der chemischen Werke Leuna von Dow - Chemical BSL mit einem
überzeugenden Raumbedarf. Rückfahrt nach
Leipzig.
Mit Gen H. Resalg begehe ich das Grafische-/ Verlags- Viertel
mit Kontrasten zwischen halb leerstehenden guten bis luxuriösen
Steuersparprojekten und Ruinen und Brachflächen. Was wird erst aus diesen
Projekten, wenn die in den abschreibbaren Kaufpreis eingerechnete Mietgarantie
ausläuft?
Die Bürogebäude sind nach meinem Eindruck halb leer;
die wenigen Nutzer stammen aus der Immobilien und Steuer Ausweich
- Branche; durch Ausdifferenzierung in viele Einzelgesellschaften wird dennoch
eine beeindruckende Anzahl von Firmenschildern am Eingang erzeugt.