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"Brigadebuch" (12.05.1999):

Besuch der Delegation der Deutschen Gesellschaft für Industriekultur (DGfI) beim

Mitteldeutschen Umwelt- und Technikpark (MUT) Zeitz

12.05.1999        

Abraumförderbrücke ZwenkauZunächst besichtigen wir die riesige Förderbrücke> Zwenkau mit Herrn Wolf von LMBV. Der mit Informationstafeln ausgestattete Aussichtspunkt bietet gute Einblicke in Geologie und Ausrüstung des seit 1921 betriebenen Tagebaues Zwenkau mit seiner seit den 1930er Jahren betriebenen und seit dem 01.12.1998 stillgelegten Abraumförderbrücke. Sie überbrückt den Tagebau über die gesamte Strecke vom Detailansicht Förderbrücke ZwenkauBagger bis zum Kippenbereich, läuft auf ungefähr 2X500 Rädern und wurde zwischenzeitlich mit Hilfe einer Pylon - Konstruktion verlängert. Gesamtgewicht 7500 t. Der Tagebau wird noch bis zum Jahre 2000 das Altkraftwerk Thierbach mit Kohle versorgen. Derzeit laufen intensive Bemühungen, die Abraumförderbrücke Böhlen II im Tagebau als technisches Denkmal im Zusammenhang mit einem geplanten Archäologiepark zu erhalten. Sie ist die letzte Überlebende ihrer Art; eine Vorgängerin ist sogar nach dem Krieg demontiert und in die Sowjetunion transportiert worden. Wir haben eine Begegnung mit dem Werkschutz im alten Stil, der sogar einen Vorgang erzeugte. Wir sind skeptisch, ob sich diese Brücke mit begrenzbarem Aufwand erhalten läßt. Zum Einstand mussten früher die Kollegen am entlegenen Teil der Brücke eine Glühbirne austauschen.

Für diese Tagebaue im Westen und süden von Leipzig wurden die Weiße Elster und kleinere Flüsse großräumig umgeleitet; nur das Verkehrs- und Siedlungs- "Band" Leipzig - Borna wurde stehen gelassen. Die Weiße Elster ist denn auch in Sohlschalen gefasst.

Kraftwerk Lippendorf

Unterwegs blicken wir auf das nagelneue KW Lippendorf, dessen Anlieferung heute beginnt mit 2x930 MW installierter Leistung. In technischer Hinsicht gilt es als wegweisend mit einem Wirkungsgrad von 48%. und beeindruckenden Naturzug - Kühltürmen von 162 m Höhe. Es soll den Abbau des neu arrondierten Feldes Schleenhain auf 40 Jahre sichern.

Tagebau Schleenhain

Die Tagebaue Peres und Groitzscher Dreieck werden aufgegeben zugunsten der Erweiterung nach Osten des Tagebaus Schleenhain, den wir anschließend vom Aussichtspunkt anschauen. Er wird in den nächsten 40 Jahren für das Kraftwerk Lippendorf ausgekohlt, wobei der Tagebau mit dem "Grotzscher Dreieck" verbunden und um den im Süden gelegenen Schwenkpunkt Richtung Osten fortgesetzt wird.  Die Förderung ist innerhalb eines Zeitraums von 4 Jahren von Zug- auf Gurtförderung umgestellt worden.

Ausgrabungsarbeiten bei HeuersdorfWir machen bei Breunsdorf kurz Halt an einer Ausgrabung, an der die ABM-Kräfte bei der Nennung des Namens der Ausgrabungsleitung in massiven Arbeitseifer verfallen und auf den Knien sorgfältig Schicht für Schicht abkratzen. Vermutet werden Siedlungsreste aus dem Mittelalter, die bald der Braunkohle weichen müssen; daher wird die Sicherung auch von der MIBRAG mit finanziert. Ein Holzbrunnen sowie Hausgrundrisse konnten sichergestellt werden.

Das Dorf Heuersdorf wehrt sich mit mit mehr oder weniger originellen Plakaten und Aktionen gegen seine Umsiedlung zugunsten der Erweiterung von Schleenhain, David Heuersdorf gegen Goliath Braunkohleder ansonsten in Mitteldeutschland kaum umstritten ist. Unterwegs holen wir die Besichtigung der ruinösen Schwelerei Groitzschen nach. Die Schwelerei zur Teergewinnung aus Braunkohle wurde 1890 errichtet und bildet den letzten erhaltenen Sachzeugen für die Veredlung nach dem Rolle-Prinzip. Zeitweilig bildete sie den bedeutendsten Industriestandort im Revier. Stillegungen erfolgten etappenweise im Zeitraum 1945...63. In den nächsten Jahren sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vorgesehen.

Wir kommen knapp rechtzeitig zur letzten verbleibenden Brikettfabrik "Phönix" in Mumsdorf bei Meuselwitz und bewundern die feine Ziegelarchitektur mit sparsamen Jugendstilelementen sowie natürlich den Dampfpressen. Brikettpresse in der Brikettfabrik PhönixDen Briketts wird aufwendig Kalk beigegeben, um die Schwefelemissionen unter die seit 1995 geltende Norm von 1% zu drücken. Beindruckend der Zaun über der Einhausung des Gurtförderers, die angeschmutzte Telefonzelle mit benachbartem Mülleimer am Landabsatz sowie der auf einem Plakat abgelichtete Pelikan mit dem dauruf "Ph..Ph..Phönix". Ein beliebtes Fotomotiv auch die perspektisch wirkenden Förderanlagen für die Verladung.

Wir fahren 80 km nach Norden in die Korrespondenzregion der Expo2000 rund um Gräfenhainichen. Im Regen erkunden wir das Ferropolis - Projekt, das trotz der imponierenden 5 Großgeräte noch nicht ganz ausgereift wirkt (Erschließung). Im Prospekt heißt es: Im zwischen 1958 und 1990 betriebenen Tagebau Golpa-Nord wird derzeit im Rahmen des Korresondenzstandortes zur EXPO 2000 ein einzigartiges Projekt verwirklicht, dessen Kern fünf auf einer Halbinsel im künftigen See abgestellte Tagebau-Großgeräte bilden. FerropolisIn Verknüpfung mit der Idee eines "Industriellen Gartenreiches" ist vorgesehen, den Standort für Freizeit und Kultur zu entwickeln und beispielsweise zu einer Arena für Open-air-Konzerte zu entwickeln. Der "Golpa-Expreß", der auf noch vorhandenen Kohlebahngleisen verkehrt, bietet Anschlüsse in Richtung Gräfenhainichen, Zschornewitz, Burgkemnitz und Vockerode.

Schluß- und Höhepunkt ein Rundgang durch das KW Vockerode mit Führung durch Herrn Pepper, der eloquent und bewegt seinen Job im Kraftwerk schildert. Beeindruckend vor allem Kesselanlagen, Dach und Leitstand - die überzeugend lange Halle ist kahl, da die 8x32 MW - Turbinen und -Generatoren demontiert wurden. Kraftwerk Vockerode an der ElbeDas Großkraftwerk bildet mit seiner 300 m langen Turbinenhalle und den vier 142 m-Schornsteinen eine weithin sichtbare Landmarke im "Industriellen Gartenreich". Nachdem die von 1937 bis 1940 errichtete Anlage auf Braunkohlebasis 1994 zunächst ohne konkrete Nachnutzungsoptionen stillgelegt worden war, wurde die Turbinenhalle 1998 im Rahmen der EXPO 2000 als Ausstellungsort für die Landesausstellung "Mittendrin - Sachsen-Anhalt in der Geschichte" genutzt. Anfang Juli wird die nächste Ausstellung eröffnet...

Leitstand Kraftwerk Vockerode Rückfahrt mit Schauern nach Eisleben und Einquartierung im recht komfortablen Hotel Mansfelder Hof. Endlich auch Unstrut - Wein.

 

© Christian Brünig                                                                                                                        Stand: 03.09.2009   Dank an