Süderländer Tageblatt - 27.12.2004 |
Thomas Kreft |
Jahrhundertelang auf der Jagd nach wertvollen Metallen
Grundwasser bereitete Probleme. War Bergbau namengebend für Plettenberg?
Plettenberg. Die Baustelle Hestenberg-Tunnel bringt es an den Tag: Auf der Suche nach wertvollen Metallen haben die Menschen das heimische Gebirge jahrhundertelang durchwühlt, über- und untertage. Dass Plettenberg in alter Zeit vom Erzbergbau und vom Metallgewerbe lebte, ist also kein Wunder. Der aus Lüdenscheid stammende Historiker Professor Dietrich Lohrmann hat sogar den Gedanken geäußert, dass der im Tal gelegene "-berg"-Ort seinen Namen vom Bergbau hergeleitet haben könnte: Der Bergmann versteht unter dem Wort "Berg" nämlich keine Höhenzüge mit weiter Aussicht, sondern alles, was unter der Erdoberfläche "verborgen" ist.
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Die Hohen Steine im Ebbegebirge hießen früher Hohler Stein. Hier herrschte in alter Zeit Bergbau. |
Bereits vor 50 Jahren inventarisierte Fritz Bertram die Gruben im ganzen Kreis Altena und im Affelner Raum - ein Glückfall für die Heimatforschung, sind doch seitdem viele Relikte dem Bagger zum Opfer gefallen. Leider ist dieses Werk mit vielen geschichtlichen Hintergründen nie als Buch erschienen; wer das Manuskript studieren möchte, muss sich in die landeskundliche Bibliothek nach Altena begeben. Die Erkenntnisse wären wohl in Vergessenheit geraten, würden sie nicht durch den Heimatforscher Martin Zimmer wach gehalten.
Ohne jegliche maschinelle Hilfsmittel war die Arbeit der Bergleute ebenso hart wie der Fels, in den sie ihre Meißel schlugen. Zunächst gruben sie in offenen Pingen. Im Hochmittelalter teuften sie Schächte ab, aus denen sie Seitenstollen in die Erzadern gruben. Das Land darüber war in Kuxen aufgeteilt und an die Bergleute vergeben, die als selbstständige Unternehmer arbeiteten. Untertage waren die einzelnen Gruben aber häufig mit den Nachbarschächten verbunden. So geschah es beispielsweise in der Hohen Molmert, die Bergbauexperte Christoph Bartels mit den mittelalterlichen Gruben des Monte Calisio bei Trient in Italien vergleicht. Vielleicht waren die Bodenschätze einst so bedeutsam, dass man deshalb dort oben jene Burg Molmert baute, die in alten Landkarten noch eingezeichnet ist. Am Fuße des Gebirges stand in Holthausen eine Kapelle, die in vorreformatorischer Zeit St. Barbara geweiht war, der Patronin der Bergleute.
Was den Bergleuten außer der harten Arbeit stets das Leben schwer machte, war das Grundwasser. Wer sich noch an die Freilegung des Schwarzenberger Burgbrunnens durch die Plettenberger Schützengesellschaft erinnert, weiß, dass die Lenne wie alle anderen Flüsse ein "Grundwassergebirge" mit sich führt. Der Brunnen brauchte deshalb nicht bis zum Lennespiegel hinunterzureichen. Das Wasser sammelte sich also schon in höher gelegenen Bergwerken am Schachtgrund. Erst im Spätmittelalter trieb man waagrechte Stollen, die für den Abfluss sorgten. Solche Stollen sind noch an manchen Stellen zu sehen, so auf dem Bärenberg.
Den untersten Stollen nannte man Erbstollen. Er diente vorrangig der Wasserableitung. Von einer Eisengrube des Klosters Marienheide bei Gummersbach ist 1450 eine "akerdrucht" bezeugt, womit ein Aquädukt, eine Wasserleitung, gemeint ist. Dieselbe Urkunde verrät, dass der Bergbau inzwischen eine Angelegenheit für Großunternehmer geworden war: Mehr als 20 Teilhaber investierten dort ihr Kapital. Trotz Stollenbau verhinderte das Grundwasser den Bergbau unter dem Niveau des nächstgelegenen Flusses. Die Lösung waren Schöpfwerke, auch "Wasserkünste" genannt. Sie sind aus dem 16. Jahrhundert vom Kaltenbach bei Engelskirchen bekannt, dem Grenzbach zwischen der Grafschaft Mark und dem Herzogtum Berg.
Ein Sonderfall ist das Felsenmeer bei Hemer, wo Archäologen den Untertagebau auf Eisenstein schon um das Jahr 1000 datiert haben. Der Abbau geschah dort aber durch Ausräumen natürlicher Höhlen. Ein kleines Felsenmeer existiert auch bei Plettenberg: die Hohen Steine im Ebbe. Auch hier herrschte Bergbau, wie die vielen Pingen, eingestürzten Schächte und verschütteten Stollenmundlöcher ringsum belegen. Interessant ist dabei, dass das Urkataster von 1830 die Stelle als "Hohlen Stein" bezeichnet. Auch Wilhelm Brockhaus nannte das Gebilde um 1880 in seinem Heimatroman "Eigene Wege" Hohlstein. Schriftliche Hinweise existieren über den Bergbau dort nicht; er muss also schon vor sehr langer Zeit zum Erliegen gekommen sein.