Aachener Zeitung - 7.3.2006

Thomas Kreft

Das einzige Grabmal in Tempelform: Die Tafeln erinnern an die Familie Hogot, darunter der 1982 vestorbene Dombaumeister Leo Hugot.

Der Heißbergfriedhof – ein steinerner Spiegel Burtscheider Geschichte

Erster gemeinsamer Bestattungsort für Katholiken und Protestanten in Aachen

Bemooste Inschriften und überwucherte Steinfiguren – alte Grabmäler faszinieren heute mehr den je. Besonders gut erhalten hat sich der Heißbergfriedhof in Burtscheid. "Die Nachkommen vieler hier bestatteter Bürger kümmern sich noch um die Monumente ihrer Familien", erklärte Dr. Holger Dux bei einer Führung vor Ort. Noch heute werden auf dem Heißberg Tote beigesetzt. Der Friedhof wurde 1862 eröffnet und lag damals noch außerhalb der Stadt. Er war der erste Gottesacker für beide Konfessionen – zunächst noch sauber getrennt: links die Protestanten, rechts die Katholiken. Für Ordnung sorgte weiland der Friedhofsinspektor, der im Torbau des Haupteingangs gegenüber der Leichenhalle seine Dienstwohnung hatte.

Zwei Denkmäler dominieren die Hauptachse des Friedhofes. Sie erinnern an die letzen siegreichen Kriege Preußens 1864, 1866 und 1870/71. Eine Bürgerinitiative sorgte 1969 für den Erhalt. "Daraus wurde der Burtscheider Geschichtsverein", so Dux.

Mit Blick auf Baustil und Familiengeschichte wandte sich der Bauhistoriker, Experte in Sachen Aachener Friedhofsforschung, einzelnen Grabmälern zu. Viele Familiennamen sind dort zu lesen, die aus Geschichtsbüchern oder von Straßennamen vertraut sind. Die protestantische Familie Pastor zum Beispiel war im 18. Jahrhundert nach Burtscheid gekommen. Wilhelm Anton ließ sich 1788 von Jakob Couven das Haus Eckenberg bauen und war Mitgründer der Aachener Feuerversicherung. Sein Grabmal trägt ein Wappen mit drei Kleeblättern. Die katholische, geadelte Linie ist auf dem Heißberg mit dem Stein des Landrats Carl von Pastor vertreten.

Wilhelminische Pracht: Die Gruft der Industriellen-Dynastie Erckens.

Ganz in wilhelminischer Pracht steht die Gruft der Tuchfabrikanten-Dynastie Erckens. Öffentliche Ehrenämter gehörten in den oberen Kreisen zum guten Ton. Dass aber jemand schon zu Lebzeiten dafür mit der Benennung einer Straße geehrt wurde wie Richard Erckens zu seiner goldenen Hochzeit, sei wohl einmalig, räumte Dux ein. Von der Ercken'schen Tuchfabrik überdauerte das Backsteingebäude in der Malmedyer Straße Ecke Ellernmühle.

Friedrich von Halfern legte am Hochgrundhaus einen Park mit exotischen Bäumen an. Die Schlote seiner Tuchfabrik verpesteten damals die Luft der Burtscheider Kuranlagen – heute undenkbar, meinte Dux. Die Familie hinterlies drei nebeneinander stehende Grabsteine: einen im naturalistischen Stil der Jahrhundertwende, einen im Zackenstil der zwanziger Jahre und einen in den schlichten Formen um 1930.

Der Familie Klausener ist das große neugotische Denkmal mit unterirdischer Kellergruft nahe dem Friedhofseingang gewidmet. Die Klauseners bauten mit Johann Couven die Holzkuppel der Abteikirche St. Johann und brachten es später als Bauunternehmer zu politischen Ämtern bis hin zum Preußischen Abgeordnetenhaus.

Eine große Jugendstilgruft gönnte sich die Familie Kirdorf. Adolf Kirdorf sanierte das Hüttenwerk Rothe Erde und erhielt dafür von der RWTH den Titel Dr. Ing. ehrenhalber.

Von einer Neubelegung zeugt das einzige Grabmal in Form eines Tempels auf dem Heißbergfriedhof. Die Tafeln erinnern an die Familie Hugot, darunter der 1982 verstorbene Dombaumeister Leo Hugot. Die modernen Grabsteine erscheinen eher langweilig. Kein Wunder, resümiert Dux, ließen moderne Friedhofsatzungen doch kaum noch eine individuelle Gestaltung größeren Maßstabs zu.