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Sprich nicht schlecht vom Menschen.

Er sitzt in dir und belauscht dich.

Jerzey Lec *

* Lec, J. : Unfrisierte Gedanken, München 1964/  Bildausschnitt: E. Nolde, Pierrot und weiße Lilien

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 P r e s s e m i t t e i l u n g                                                       18.09.05

 Unter Beteiligung von ca. 300 Personen fand, vom15. –17. Sept. im Berliner Rathaus Schöneberg die Tagung „Ökonomie ohne Menschen? Zur Verteidigung der Kultur des Sozialen“ statt.

Als Gastgeberin sprach Gesundheitsstadträtin Dr. Elisabeth Ziemer ihre Freude darüber aus, gerade diesem Thema Raum, geben zu können. Die Schirmherrin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin fiel leider wahlkampfbedingt aus.

 Vornehmlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Sozial- und Gesundheitsberufen, aber auch andere interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen teil.

„Noch nie habe ich erlebt, dass eine so große Gruppe von Mitarbeiterinnen wie gebannt einem Wirtschaftswissenschaftler zugehört hat.“ So einer der Teilnehmer nach dem Vortrag von Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach. „Durch die Vorträge und Diskussionen fange ich langsam an zu begreifen, in welcher Situation wir uns in der sozialen Arbeit befinden, und welche wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen hinter den Veränderungen der Sozialgesetzgebung stehen“ so ein anderer Teilnehmer zu den Vorträgen unter dem Schwerpunkt „Diktat des Marktes? – Mythen, Auswirkungen, Alternativen.“ 

Veranstalter waren  die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V. (DGSP) und die Soltauer Initiative für Sozialpolitik und Ethik. Bei der DGSP handelt es sich um den größten berufsgruppenübergreifenden und unabhängige Fachverband sozialpsychiatrisch tätiger Menschen in der BRD. Die Soltauer Initiative ist eine seit 2004 bestehende überregionale freie Initiative. Die Tagung wurde finanziell unterstützt von Aktion Mensch. Sie knüpfte an die Veröffentlichung der sogenannten Soltauer Impulse an, die weit über die Fachöffentlichkeit hinaus Beachtung gefunden hatten. (www.psychiatrie.de/DGSP/Soltauer Initiative)

 Im Rahmen des Tagungsschwerpunktes „Zwischenmenschlichkeit auf dem Prüfstand“ analysierte Dr. Stephan Debus, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medizinischen Hochschule Hannover, wie das Zwischenmenschliche über neue Sprachspiele aus unseren Köpfen verdrängt wird. „Nur , indem wir die ökonomisierende Sprache nicht sprechen, können wir uns in die Lage versetzen, unsere Handlungsspielräume zu finden.“

Die Atmosphäre der Tagung wurde eindrücklich durch das Hannoveraner Theater Quintessenz bereichert, einem interaktiven Theater, dem es gelang, die authentischen Geschichten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer spontan auf die Bühne zu bringen.

Mitarbeiter des Gesundheitswesens stehen in einem Spannungsfeld zwischen „Mainstream“ und „besserem Wissen“. Dies kam deutlich in den angeregten Plenumsdiskussionen und in den regionalen Diskussionsgruppen zum Ausdruck. Dass die Kultur des Sozialen in ökonomisch bedrängten Zeiten besonders auch von Leitungspersönlichkeiten abhängt, machte Frau Prof. Dr. Christine Morgenroth mit ihrem Beitrag „Leitungshandeln zwischen Qualitätsmanagement und Burnout“ deutlich.

Bei der Tagung ging es sowohl um theoretische Durchdringung als auch um die Suche nach Handlungsmöglichkeiten. Eine Handlungsmöglichkeit wurde in der lebhaften Podiumsdiskussion, bei der Betroffene diskutierten, besonders deutlich, nämlich die Vernetzung über fachliche Grenzen hinaus. „Ein solches Forum, bei dem sich in unterschiedlicher weise betroffene Menschen verbünden“, so Prof. Dr. Klaus Dörner anerkennend bei der abschließenden Expertenrunde „habe ich noch nie erlebt.“

Zu einem Höhepunkt wurde der Vortrag von Prof. Dr. Oskar Negt, der den Verlauf der Tagung über drei Tage hinweg beobachtet hatte, und dem es gelang alle wichtigen Aspekte zu bündeln und nochmals gedanklich zu vertiefen. Die Verbindung von Theorie und Praxis dürfe man sich nicht zu leicht machen, so seine Mahnung. Es gäbe keine unmittelbare Überführung von der Theorie zur Praxis. In jedem Fall seien Theorie und Analyse jedoch wichtig zur Orientierung. Auch wenn die Analyse zu Pessimismus Anlass gäbe, da derzeit Auswege schwieriger zu finden seien und die Verhältnisse „hinterhältiger“ seien „muss ich konstitutionell Optimist sein und mit ganzer Seele Auswege suchen.“ „Der nur leistungsbewusste Mitläufer sei eine tödliche Figur für die Demokratie“, so sein Schlusssatz.

Die Tagungsteilnehmer gehörten offensichtlich nicht zu dieser Spezies, denn sie applaudierten Oskar Negt begeistert und griffen die Anregung der Tagungsinitiatoren auf, Adressen auszutauschen, um sich regional wieder zu treffen und sowohl praktisch als auch theoretisch an den anstehenden Fragen weiter zu arbeiten und nach lokalen Bündnispartnern, z. B. die Sozialforen, zu suchen.

 Die Tagungsbeiträge sind fast vollständig dokumentiert in Heft 4/05 der Sozialpsychiatrischen Informationen. Das Heft kann zum Preis von 8 Euro beim Psychiatrieverlag, Thomas-Mann Str. 49 a oder über www.verlag@psychiatrie.de bestellt werden.

 Neben Aktion Mensch wurde die Tagung von folgenden Institutionen, Vereinen, Gruppen und Gesellschaften unterstützt:

bulletBezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin, Abteilung für Gesundheit Stadtentwicklung und Quartiersmanagement
bullet

Berliner Institut für christliche Ethik und Politik (ICEP) der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin

bulletKonvent der Kur- und Klinikseelsorger/-innen im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein
bulletVerein Psychiatrie-Erfahrener, Bielefeld
bulletAußerparlamentarische Opposition der Behinderten (APOB), Frankfurt/M.
bulletHerbergsverein Wohnen und Leben e.V., Lüneburg
bulletGesellschaft für gemeindepsychologische Forschung und Praxis (GGFP) e.V. Dortmund
bulletDeutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBFK) Bundesverband e.V., Berlin
bulletParanus-Verlag, Neumünster
bulletDie Brücke Neumünster gGmbH
bulletPsychiatrieverlag GmbH
bulletZukunftswerkstatt, Neukirchen-Vluyn
bulletIPPNW  Deutschland - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.

 DGSP Bundesgeschäftsstelle

Zeltinger Str. 9, 50969 Köln, Tel:  0221 511002, Fax: 0221 529903, Mail: dgsp@netcologne.de

 Die PRESSEMITTEILUNG kann hier als pdf-Datei hochgeladen werden.

 

 
     
 

Kontakt:

Renate Schernus

Bohnenbachweg 15, 33617 Bielefeld

mail: Renate.Schernus@t-online.de

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