Dies zeigten eindrucksvoll drei preisgekrönte Combos des Netzwerks „jazzwerkruhr”, die am Freitagabend in der Pelmke aufspielten. Das Hans-Wanning-Trio ist alles andere als der x-te Versuch, der hohen Schule der Triokunst eines Bill Evans oder Keith Jarret nachzueifern. Dem entgegen stellt Pianist Hans Wanning eine eigene Synthese aus Balladen, Fusion-Einflüssen und melodischen Linien. Aus einem romantisch-gesanglichen, solistischen Piano-Intro, das entfernt an ein Chopin-Nocturne erinnerte, entwickelten sich im Eingangsstück filigrane Rhythmen und melodisch eigenständige, sich emanzipierende Themen des Basses und hoch virtuose Klaviersoli. Mit spielerischer Leichtigkeit bewegte sich Bassmann Martin Furmann auf seinem Fünf-Saiter wie einst Bass-Legende Jaco Pastorius, während Daniel Sanleandro als Zugabe ein wahres Percussions-Feuerwerk entfachte. Als zweiter Act des Abends heizten die sechs Jungs von „Entkernung” den fachkundigen Jazz-Enthusiasten tüchtig ein. In ausgefeilten, hochkomplexen, kammermusikalisch ausgefeilten Bläserarrangements, verfertigt von Saxophonist und Bassklarinettist Roman Siewecke, spielten sich Trompete, Posaune und zwei Vertreter der Sax-Familie in immer neu changierende Klangfarben und teilten stimmlichen Rollen die thematischen Bälle zu, bei denen sich jeder Einzelne immer wieder Freiraum zu anarchistischen Ausflügen in den Freejazz eroberte. Mit agiler Geläufigkeit flitzte Max von einem durch rasante Läufe und Passagen auf der angeblich so schwerfälligen Posaune und zog mit differenzierten Dämpfersounds, aber auch launigen, schrägen Geräuscheffekten vor dem verstorbenen Altmeister Albert Mangelsdorff den Hut. Der gute alte Jazz- Rock der 70er wurde zum Schluss vom Quartett „Zo Knarr” wiederbelebt. Nach der spacigen, klanglich abgefahrenen Einleitung mit WahWah-, Delay- und Echoeffekten der E-Gitarre sowie elektronischen Loops kamen mit entspannt groovenden, jedoch knackig auf den Punkt gespielten Beats von Drummer Martin Franke und ausgetüftelten Bassfiguren von Jonas Bareiter die melodischen Ausdrucks-Qualitäten der Solisten zur Geltung. Andreas Greber machte mit ausdrucksstarken, bluesgetränkten Saxophon-Riffs in bester Fusionmanier Vorbildern wie David Sanborn ernsthaft Konkurrenz, während Markus Conrad neben der kreativen Beherrschung diverser Effekt-Geräte auch noch eine noble, ausdrucksvolle Tongestaltung demonstrierte, die sich vor den Ausdrucksmöglichkeiten des Saxophons nicht zu verstecken brauchte. Nach diesem Spektrum verschiedenster Spielarten des Modern-Jazz braucht man sich angesichts dieses hochkarätigen Nachwuchs um die Zukunft des Jazz' keine Sorgen zu machen!