Nur zwei statt drei Bands
Die schlechte Nachricht verkündete die "Jazzwerkruhr"-Organisatorin Nadin Deventer dem Publikum gleich zu Beginn: Statt der angekündigten drei würden nur zwei Bands spielen. Der Schlagzeuger von "Zo Knaar" lag krank im Bett und so sagte das Quartett kurzerhand den Auftritt ab.
Die Band "Entkernung" aber stand auf der Bühne. Und legte gleich mit Volldampf los. Das Projekt des Saxofonisten und Klarinettisten Roman Sieweke mit einer vierköpfigen Bläser-Frontline und einer Rhythmusgruppe aus Kontrabass und Schlagzeug möchte auf der einen Seite bewusst Chaos und Spontaneität zulassen, auf der anderen Seite aber ein kompositorisches Gerüst dahinter wissen. So klang dann auch die Musik. Wild und ungeordnet manchmal, mit viel Raum für Improvisationen, und dann wieder wunderbar zusammen, wenn die vier Bläser sich ausgetobt hatten und den packenden Pulsschlägen des Rhythmusduos folgten. Gemeinsamer Groove und individuelle Freiheit und Klangformungen, die Band "Entkernung" bot beides - und ein Füllhorn an Spielfreude dazu.
Filigraner spielte das Hans Wanning Trio auf. Pianist und Keyboarder Hans Wanning, E-Bassist Martin Furmann und Schlagzeuger Daniel Sanleandro haben längst einen eigenen Gruppensound entwickelt, der nicht typisch nach Klaviertrio klingt. Die Stärke des Dreiers: ständiger Austausch untereinander, starke Rhythmen und Melodien sowie spannende Improvisationen.
"Jazzwerkruhr" aber bietet den Musikern nicht nur eine Bühne zum Spielen. Gerade erst haben "Entkernung" sowie das "Zodiak Trio" des Trompeters John-Dennis Renken, auch Bandmitglied bei "Entkernung", mit Unterstützung von "Jazzwerkruhr" ihre eigenen, unbedingt hörenswerten CDs produziert. So sieht sinnvolle Jazzförderung aus. (GIE)