jazzwerkruhr - Festival und Forum Jazzscene Ruhrgebiet

NRZ / 15. Dezember 2008
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Vorbildliches Zusammenspiel

MUSIK. Das "Jazzwerkruhr"-Konzert in den Katakomben zeigte einmal mehr, wie interessant der Ruhrgebiets-Jazz klingen kann. Das "Jazzwerkruhr" ist nach wie vor in der Spur. Der ruhrgebietsübergreifende Bündelungsversuch der regionalen Jazzszene, der bereits im siebten Jahr läuft und nun im Katakomben-Theater den diesjährigen Konzertreigen durch die Ruhrgebietsstädte Bochum, Gelsenkirchen, Dortmund, Hagen und eben Essen abschloss, zeigte einmal mehr, wie interessant der Ruhrgebiets-Jazz klingen kann.

Nur zwei statt drei Bands

Die schlechte Nachricht verkündete die "Jazzwerkruhr"-Organisatorin Nadin Deventer dem Publikum gleich zu Beginn: Statt der angekündigten drei würden nur zwei Bands spielen. Der Schlagzeuger von "Zo Knaar" lag krank im Bett und so sagte das Quartett kurzerhand den Auftritt ab.

Die Band "Entkernung" aber stand auf der Bühne. Und legte gleich mit Volldampf los. Das Projekt des Saxofonisten und Klarinettisten Roman Sieweke mit einer vierköpfigen Bläser-Frontline und einer Rhythmusgruppe aus Kontrabass und Schlagzeug möchte auf der einen Seite bewusst Chaos und Spontaneität zulassen, auf der anderen Seite aber ein kompositorisches Gerüst dahinter wissen. So klang dann auch die Musik. Wild und ungeordnet manchmal, mit viel Raum für Improvisationen, und dann wieder wunderbar zusammen, wenn die vier Bläser sich ausgetobt hatten und den packenden Pulsschlägen des Rhythmusduos folgten. Gemeinsamer Groove und individuelle Freiheit und Klangformungen, die Band "Entkernung" bot beides - und ein Füllhorn an Spielfreude dazu.

Filigraner spielte das Hans Wanning Trio auf. Pianist und Keyboarder Hans Wanning, E-Bassist Martin Furmann und Schlagzeuger Daniel Sanleandro haben längst einen eigenen Gruppensound entwickelt, der nicht typisch nach Klaviertrio klingt. Die Stärke des Dreiers: ständiger Austausch untereinander, starke Rhythmen und Melodien sowie spannende Improvisationen.

"Jazzwerkruhr" aber bietet den Musikern nicht nur eine Bühne zum Spielen. Gerade erst haben "Entkernung" sowie das "Zodiak Trio" des Trompeters John-Dennis Renken, auch Bandmitglied bei "Entkernung", mit Unterstützung von "Jazzwerkruhr" ihre eigenen, unbedingt hörenswerten CDs produziert. So sieht sinnvolle Jazzförderung aus. (GIE)

NRZ / 14. Dezember 2008
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Frisch und witzig
Von Sven Thielmann

Das "jazzwerkruhr" war jetzt mit jungen heimischen Combos im Katakomben-Theater zu erleben Erst kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu: Der Ausfall eines vielversprechenden Kooperationspartners für das Nachwuchsförderprojekt "jazzwerkruhr" allein wäre ja noch zu verkraften gewesen, die Terminierung des Essener Konzerts nach vier Tagen Folkwang-Jazz wohl auch. Doch für den Grippe bedingten Ausfall der Combo "Zo Knarr" in den Katakomben konnte wirklich niemand was. Glück im Unglück - so hatten die verbliebenen Jung-Jazzer mehr Zeit, ihre durchweg spannenden Konzepte zu präsentieren. Und was Altsaxophonist Roman Siewecke - mit seinem Sextett beim Folkwang-Jazz-Geburtstag noch unter eigenem Namen recht verhalten zu erleben - nun als "Entkernung" auf die Bühne brachte, das war rhythmisch wie melodisch doch überraschend attraktiv. Klug strukturierte Stücke, die immer wieder munter den modernen Ensembleklang aufbrachen und solistisch in freie Gefilde führten, wo die vier Bläser - allen voran Posaunist Tobias Schütte - mit schönen Einzelleistungen glänzen konnten. Wunderbare Kontraste setzte danach der Dortmunder Keyboarder Hans Wannick, der mit trockenem Wortwitz und hinreißender Spielfreude die elektrische Variante eines cleveren Piano-Trios vorführte. Satt geerdet von Drummer Daniel Sanleandro und Martin Furmann am Fretless-E-Bass, funkelte da eine hübsche Mischung aus eigenständigen Klängen und bekannten Fusion-Sounds à la Zawinul & Co. in frischer Unbekümmertheit. Keine Frage: An diesem Abend bewies "jazzwerkruhr", dem man auf jeden Fall mehr Publikum gewünscht hätte, mal wieder ein glückliches Händchen für interessanten Nachwuchsjazz der Region.