![]() |
| START Planung |
Planung
Entscheidenden Anteil an der Operation CHASTISE hatte der Entwickler der "Bouncing Bomb", Dr. Barnes Neville Wallis (*1887 - †1979).
Barnes Wallis, langjähriger Mitarbeiter der Vickers Aircraft Company, "veröffentlichte" im März 1941 in Militärkreisen ein Schriftstück mit dem Titel "Eine Methode die Achsenmächte zu attackieren." Diese fünfzig Seiten umfassende Arbeit gab an, dass die Verbündeten eine neue Form der Bombardierung entwickeln mussten, um massive Strukturen (Talsperren, Eisenbahnknotenpunkte, Schleusenanlagen, etc.), die wesentliche Grundelemente der deutschen Kriegsmaschinerie darstellten, nachhaltig zu zerstören. Hierbei wurde besonders an die Unterbrechung der den Industriezentren von außen zugeführten Energieressourcen gedacht. Die einzusetzenden Bomben sollten so konzipiert sein, dass sie möglichst tief in Oberflächen (Land oder Wasser) eindringen und bei ihrer Detonation eine Druckwelle erzeugen. So würden auch unterirdische Ziele (z.B. in Stollen angelegte Produktionsstätten) wirksam attackiert werden können. Ein Präzisionsbombardement auf einzelne Ziele könnte sich so erübrigen, da die Physik für das gewünschte Ergebnis sorgen würde. "To attack these targets successfully it is necessary to inject the largest possible charge to the greatest possible depth in the medium (earth or water) that surrounds or is in contact with the target." (Wallis) Wallis berechnete, dass eine 10-Tonnen-Bombe aus 40.000 Fuß abgeworfen etwa 135 Fuß in eine normale Oberfläche eindränge ohne dabei einen Krater zu bilden. Alle Energie würde in einen Erdbebeneffekt mit möglicherweise verheerenden Konsequenzen für in der Nähe befindliche Objekte umgewandelt. Jedoch war niemand besonders interessiert an dem, was Wallis zu Papier gebracht hatte und viele glaubten, dass seine Ideen geradezu Hirngespinste seien. Niemand hatte je eine 10-Tonnen-Bombe gebaut; kein Bomber war überhaupt in der Lage mit dieser Last in einer Höhe von 40.000 Fuß zu fliegen. Barnes Wallis wurde als Exzentriker abgetan. Nach einiger Zeit weckte aber doch ein Punkt aus Wallis Schriftstück Interesse bei den britischen Militärstrategen. Wallis war (s.o.) überzeugt, dass die Leistungsfähigkeit der Industrie des Ruhrgebietes stark durch die Zerstörung der für die Energieversorgung zuständigen Talsperren eingeschränkt werden könne. So wurde in 1941 unter dem Vorsitz von Dr. Pye ein "Air Attack on Dams Committee" gegründet. Diese Institution legte die Möhne-Talsperre als Primärziel fest. Wallis erste Idee war, den Damm mit einer Reihe der seinerzeit technisch machbaren größten Bomben anzugreifen. Dieser Ansatz wurde aber schnell wieder verworfen, weil die Zielgenauigkeit, die ein solcher Abwurf erfordern würde, nicht erreichbar war. Ein solches Geschoss müsste in einer Entfernung von max. 20 Metern zum Ziel platziert werden, um wirkungsvoll zu sein. Eine zur damaligen Zeit technische Unmöglichkeit. Im Juli 1941 stellte der Ausschuss fest, dass ein Angriff auf den Möhne-Damm mit derzeit vorhandenen Waffen zweifellos unmöglich sei. "There seems to be no doubt that an attack on the Möhne Dam is impracticable with existing weapons." (Air Attack on Dams Committee)Wallis war aber nicht der Typ, der schnell "die Flinte ins Korn wirft". - Wie konnte eine explosive Ladung so nah wie möglich an die Staumauer gebracht werden? Sollte dies von der Seeseite her machbar sein, würde auch eine nicht optimale Beschädigung des Dammes genügen, um eine Art "Selbstzerstörung" zu initiieren. Der enorme Druck des aufgestauten Wassers würde den Rest erledigen. Der Einsatz einer Torpedo-Bombe schied aus, da die Wehrmacht dieses Vorgehen ins Kalkül gezogen und entsprechende Sicherungsmaßnahmen (Torpedonetze) eingebaut hatte. Wallis kam auf die wie er selbst sagte "childishly simple" Idee, das Prinzip des auf der Wasseroberfläche hüpfenden Steines ("bouncing pebble") anzuwenden. Er war sich sicher, mit einer "hüpfenden Bombe" die Sicherungsmaßnahmen überwinden zu können. Die Bombe würde dann gegen die Sperrmauer prallen, dort absinken und mittels eines hydrostatischen Zünders in einer Tiefe von ca. 10 Metern detonieren. Um sicher zu sein, dass die Bombe auch direkt am Damm absinken und nicht zurückprallen würde, musste sie eine Vorwärtsrotation haben. Der Konstrukteur erhielt die Erlaubnis, eine derartige Waffe, Code-Name "Upkeep", zu entwickeln. Die Bombe war 50 Inches im Durchmesser, 60 Inches lang und wog 9250 Pfund, davon waren 6.600 Pfund leistungsfähiger RDX-Sprengstoff.
Sie wurde am Bombenschacht der Lancaster-Bomber an V-förmigen Gestellen montiert. Verbunden mit kleinen im Bombenschacht untergebrachten Motoren konnte die Bombe in Rotation versetzt werden.
"Upkeep" konnte nicht wie jede "normale" Bombe abgeworfen werden. Das britische Bomberkommando zog im März 1943 seine besten Bomberpiloten in einer neu gegründeten Einheit, Squadron 617, unter dem Kommando von Wing Commander Guy Gibson zusammen. Ausführliche Tests an Modellen und den Gegebenheiten des Möhne-Dammes ähnelnden Seen in Großbritannien waren erforderlich, um die Parameter für einen erfolgreichen Bombenabwurf zu ermitteln.
Dabei stellte sich heraus, dass die Bombe bei einer Geschwindigkeit von genau 220 Mph, einer Höhe von 60 Fuß und mit einem Abstand von möglichst 425 yards zur Dammkrone ausgeklinkt werden musste. Die Toleranz in Bezug auf die Abwurfentfernung betrug max. 25 yards; der Bruchteil einer Sekunde bei der o.g. geforderten Geschwindigkeit. Eine weitere Erschwernis war die Tatsache, dass die Operation bei Nacht durchgeführt werden musste. [Link auf "Durchführung" folgt...] |
| SEITENKOPF E-MAIL IMPRESSUM | © 2003 |