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Hintergrund

Eine unglaubliche Vielzahl von Gegenständen umgeben mich in meinem “Labor“. Es sind allesamt Versatzstücke, die mich zu meiner Kunst führen.

Da stehen Materialien und Stoffe für meine Werke bereit, Gebilde, die sich im Versuchs- und Entwicklungsstadium befinden, harren neben bereits vollendeten Skulpturen und Objekten, dazwischen Einzelteile aus meinen Installationen. Es sind ja nicht die Ideen alleine, die mich in mein Atelier führen: ebenso ist mir die Gesamtheit dieser gesammelten Objekte Anregung. Das war so nicht geplant. In meinen ursprünglichen Vorstellungen habe ich mich erst am Zeichentisch sitzen, dann in den Arbeitsraum gehen sehen, um das Erdachte zu verwirklichen. Das kommt vor, doch in solch einer reinen Form äußerst selten. Das Schöpfen aus dem Fundus “Chaos” findet nicht kalkuliert statt und ist dennoch unabdingbar für die Authentizität meiner Arbeiten.

Einen erheblichen Anteil am Gelingen meiner Kunst nimmt die unterbewusste Komponente ein. Was in meinen Arbeitsräumen passiert, steht für die Zeichensprache eines metaphysischen Austausches zwischen mir und meiner Umwelt, es ist ein Lenken und Gelenkt werden.

Und ich bin es nicht, der daneben steht, oder göttlich über all das herrscht, nein, ich fühle mich selbst wie eins dieser Subjekte und muss meine spezifische Aufgabe erfüllen. Aus diesem Anspruch ist die folgende Konzeption entstanden:

 

Ausstellungskonzept

Die anvisierte Ausstellung entwirft sich aus einer Ansammlung all der Dinglichkeiten, die direkt oder indirekt zu meiner Kunst führen, bis hin zu bereits vollendeten Kunstwerken. Fundstücke spielen dabei die gleiche Rolle wie Entwürfe, die aus meinen Gedanken entstanden sind, Inszeniertes steht neben Verworfenem, Ready-Mades, Fragmenten, Rohmaterialien, Arbeitsgeräten.

Das dem ersten Anschein nach zustande kommende Chaos wird visuell geordnet, aber nicht bereinigt. Es entstehen Objekt-Gruppen, die nach herkömmlicher Vernunft wie willkürlich zusammengestellt aussehen. Anhand eines konsequent durchdachten Konzeptes wird in der Gesamtschau eine Permanenz erschaffen, mit der ich diese oberflächliche Betrachtung aufbrechen und aufzeigen will, wie aus scheinbar Gegensätzlichem Erkenntnisse entstehen können, die über vordergründige Aussagen hinaus führen.

Das Konzept veranschaulicht, aus welcher Bandbreite und menschlichen Vielschichtigkeit Arbeiten entstehen, die sich in gängigen Kunstwerken meist klar bis hin zu minimalistisch reduziert zeigen, als wären sie einer ebensolchen Einfachheit entsprungen. 

 

Die Elemente im Einzelnen und im Gefüge bringen Schönes und Hässliches zutage und erzeugen im Gesamtkonzept der Ausstellung eine eigene, spezifische Ästhetik. “Normales” wird zum Besonderen, alltägliche Versatzstücke mutieren zu Kunstwerken, aus Arbeitsmaterialien liest man skulpturale Attitüden heraus, von fremden Menschen geschaffene Objekte werden durch den neuen Kontext meiner eigenen künstlerischen Arbeit zugeschrieben.

  

Durch kurze Texte und philosophische Aphorismen erfährt die plastische Präsentation eine weitere Öffnung. Die Gedanken, auf Malgrund niedergeschrieben, beschreiben keins der Objekte oder das jeweilige Ensemble; die Aussagen sind selber Gegenstand und stehen als gleichberechtigte Elemente neben dem Dinglichen.

 

Die Einsichten aus meiner Gedankenfabrik und die Destillate aus meinem Objektelabor entspringen trotz unterschiedlich verlaufender Aspekte der gleichen Quelle. Wie eine Deltamündung führt diese Zusammenstellung die verschiedenen Läufe wieder zueinander.

 

 Die geplante Ausstellung wird persönlicher sein, als alle meine bisherigen Arbeiten. Meinen Raum-Zeit Begriff auf einen Moment und Ort reduziert, visualisiert sie die derzeit wichtigsten Gesichtspunkte meiner künstlerischen Arbeit im Dinglichen.

Der Titel :NUN steht für die Idee, mein ganzes bisheriges Schaffen für den Moment der Präsentation anzuhalten und all die Möglichkeiten anzudeuten, aus denen neue Arbeiten und Konzepte hervorgehen können.

 

Der Werdegang zu :NUN

1986 hatte ich meine erste Ausstellung, eine Einzelausstellung in der “Vennakademie”. Beladen mit einem Anhänger voller fertiger Skulpturen rückte ich eine Woche vor Ausstellungsbeginn dort an, fand für jedes Objekt seinen Platz und hatte gleich darauf das Bedürfnis, den Raum als Ganzes zu inszenieren. So entstand wie von selbst meine erste Rauminstallation, innerhalb der sogar die schwächeren Skulpturen zu einer Bedeutung gelangten. Diesem für mich empirischen Experiment folgend, habe ich für die folgende Ausstellung unter dem Titel „Konzept Fraktur“ ein Raumprojekt entworfen, in dem sich fertige und in Arbeit befindliche Arbeiten gegenseitig antreiben konnten. Neben weiteren Ausstellungskonzepten entwickelte ich Performances, die ich als auf Bewegung und Geräusche erweiterte Skulpturen definierte. Mein anfänglich enger Kunstbegriff war somit gleich zu Beginn meines Werdegangs aufgebrochen, ohne dass sich andere Beschränkungen angedeutet hätten.

 

Um meine ersten Erfolge auch wirtschaftlich zu untermauern, begann ich, Schwerpunkte zu setzen. Ich konzentrierte mich zunächst auf mein erlerntes Metier und schuf Reihen von Steinskulpturen. Diese Arbeiten führten mich in andere Städte und Länder. Auf Bildhauersymposien unter anderem in Italien und Frankreich konnte ich frei von alltäglichen Zwängen meine Skulpturen verwirklichen und stand im Austausch mit anderen Bildhauern aus der ganzen Welt. Diese Phase war anregend, jedoch auch eine Selbstbeschränkung. Es musste mehr geschehen. Ich begann, parallel zu arbeiten, auf allen möglichen Gebieten, ohne meine monetären Belange über die Bedürfnisse meiner visionären Handlungen zu stellen.

Die Methode, meine Erfolge auszuschlachten, bin ich bewusst umgangen, stattdessen habe ich immer wieder Neues ausprobiert, bin damit vorangekommen und teilweise auch gescheitert. Vor allem galt es, meiner kreativen “Unruhe” immer zu folgen.