Im Herbst 1933 erfolgte auf Initiative der Kölner Zentralstelle für Jüdische Wirtschaftshilfe die Gründung des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr. Er sollte es jüdischen Künstlerinnen und Küstlern, die seit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft aus Theater, Film, Konzerthallen und Museen verdrängt wurden, ermöglichen, vor jüdischem Publikum aufzutreten, und wollte sie auf diese Weise materiell unterstützen. Die Arbeitsbeschaffung bot neben der finanziellen Absicherung die Chance einer Überwindung der seelischen Depression, die gerade die Künstler seit 1933 ergriffen hatte. Camilla Spira schrieb im Oktober 1936 in den Mitteilungen des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr: "Ich möchte beinahe sagen, für uns Schauspielr ist heute unsere Arbeit das geworden, was wir früher Ferien nannten. Wir gehen heute an unserer Engagements mit den leibevollsten Vorbereitungen heran. Wir sprechen schon wochenlang im Flüsterton von der "eventuellen Möglichkeit", einmal wieder spielen zu dürfen, und sehnen die Tage der Proben herbei."
Auch dem jüdischen Publikum, das zunehmend aus den allgemeinen Bereichen der Kultur ausgegrenzt wurde, gab der Kulturbund die Möglichkeit, an kulturellem Leben teilzunehmen. Der Kulturbund war daher eine wichtige Form jüdischer Selbsthilfe und Selbstfindung.
Der Kulturbund, der 1935 schon 5000 Mitglieder und 191 Festangestellte zählte, organisierte bis 1934 205 Veranstaltungen, darunter 61 Konzerte. Zum Jüdischen Kulturbund gehörten die Spielorte Aachen, Bochum, Bonn, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Krefeld, Wuppertal und nach 1934/35 auch Dortmund und Düren. Die Aufführungen in Köln fanden zumeist in der Rheinlandloge in der Cäcilienstraße, aber auch in der Bürgergesellschaft am Appellhofplatz und im Reichshallentheater in der Gertrudenstraße statt.
Im Rahmen der nach 1933 auf allen Gebieten einsetzenden jüdischen Identitätssuche wurde auh die Frage nach einer spezifisch jüdischen Kunst,nach einem jüdischen Theater, einer jüdischen Musik und Malerei gestellt. Die Verbundenheit mit dem europäische-deutschen Kulturkreis unterlag jedoch keinem Zweifel.
Gegen Ende der 30er Jahre war die Organisation des Kulturbundes zunehmend von Mitgliederschwund infolge von Auswanderung und Verknappung der finanziellen Mittel betroffen. Gleichwohl setzte der Kulturbund bis zu seinem Verbot im September 1941, unmittelbar vor den Deportationen, seine Tätigkeit fort.
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| Max Kowalski | Pirrot Lunaire op. 4, Heft II Nordpolfahrt |
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